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Heike Martin: "Lahti war einfach nur ein Traum"

Erst Lahti und dann noch Berlin? Nein, da würde mein Freund auf und nieder springen. Das geht nicht. Die WM verfolge ich gespannt am Fernseher, zum Leidwesen meines Freundes. Der kann die Begriffe Leichtathletik und Stadion nicht mehr hören", lacht Heike Martin laut. Aber er liebt sie und muss es dulden, ob er will oder nicht. Leichathletik kommt bei Heike Martin nun mal weit vorn im Leben. Dafür opfert sie gerne Zeit, viel Zeit. Wie zum Beispiel bei der Senioren-WM. Da war sie im finnischen Lahti am Start und kam mit drei Medaillen wieder. Zwei Mal Silber und ein Mal Bronze.

 

Mehr als zuvor erträumt

 

"Das war mehr, als ich je zu träumen gewagt hätte. Eigentlich wollte ich über 100 und 200 Meter nur ins Finale und dann gewinne ich dort Silber und Bronze. Das war der Wahnsinn", strahlt sie mit der Sonne um die Wette. Mit einer Medaille wäre sie "sehr, sehr, sehr glücklich" gewesen. Nach Hause kam sie mit drei, denn auch in der 4x100-Meter-Staffel reichte es zu Silber. Gigantisch für die hübsche Vogtländerin. "Ich war schon öfters bei solchen Veranstaltungen, aber Lahti hat nicht nur sportlichem allem eine Krone aufgesetzt. Das waren wahre Weltmeisterschaften. Das Flair, die Atmosphäre und das Rahmenprogramm - alles hat gepasst", schwärmt die 37-jährige Plauenerin, die für den Treuener LV an den Start geht.

 

Nach den Senioren-WM folgt die "normale" WM in Berlin. "Klar wäre das eine Erlebnis gewesen, einige Wettkämpfe live zu sehen. Aber das lässt meine Zeit nicht zu. Das schaffe ich leider", liegt etwas Wehmut in ihrer Stimme. So bleibt der Fernseher. Und da sitzt Heike Martin so oft sie kann. Die beiden Sprint-Entscheidungen am Montag und am Dienstag hat sich logischerweise gespannt verfolgt. "Gigantisch, was die beiden Jamaikaner da auf den Belag gezaubert haben. Das war schon ganz großer Sport und eine Riesenshow, bei Usain Bolt noch mehr, als bei Shelly-Ann Fraser", zollt sie den beiden Weltmeistern Respekt. "Wenn man selbst die Disziplinen betreibt, weiß man erst, was da wirklich dahintersteckt." 10,74 Sekunden ist Shelly-Ann Fraser gelaufen. 12,81 Sekunden war die Zeit von Heike Martin bei ihrem Silberlauf. Das sind natürlich andere Dimensionen. "Das mein ich. Das ist eine andere Welt. Da kommt kaum einer hin", sagt sie. Und Recht hat sie. Nicht eine Europäerin schaffte es ins Finale in Berlin.

 

EM in Ungarn steht an

 

Heike Martin stand in ihrer Altersklasse nicht nur im Finale, sie stand auf dem Podest und das mit viel Trainingsfleiß. Nach ihrer Arbeit, sie arbeitet im Rehazentrum Glauchau, geht sie noch zum Training. Zwischen drei und vier Mal wöchentlich. Vor Großveranstaltungen in Lahti auf alle Fälle vier Mal. "Das tut mir aber auch verdammt gut. Das bläst den Kopf frei", wie sie sagt. Jetzt tritt sie aber erst einmal ein bisschen kürzer. Lahti war ihr Saisonhöhepunkt, nun folgen noch zwei, drei kleinere Wettkämpfe in der Halle und dann geht auch schon wieder die Vorbereitung aufs nächste Großereignis los. Heike Martin möchte bei der Senioren-EM in Ungarn starten. Einige Monate zuvor gibt es noch die Hallen-WM der Senioren in Kanada. "Das wäre schon was. Aber für 60 Meter nach Kanada zu fliegen. Das bringt es nicht und ist zudem sehr teuer".

Aber nach Ungarn möchte sie auf alle Fälle. Kurz zuvor wird sie ihr Trainingspensum, wieder steigern. Und dann muss auch ihr Freund wieder auf seine Heike verzichten. Leichtathletik geht nunmal vor.

 

Thomas Nahrendorf



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