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Schulden: Verband suspendiert FSV Zwickau
Einmaliger Vorgang in der Fußball-Oberliga: Wegen Schulden an den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) hat das Verbandsgericht den FSV Zwickau gestern bis auf weiteres gesperrt. Als erste Konsequenz wurde das für Sonntag angesetzte Heimspiel der Zwickauer in der Süd-Staffel gegen die SG Dynamo Dresden II abgesetzt, teilte der Verband gestern mit. Der NOFV setzte dem nach dem Rücktritt aller Präsidiumsmitglieder führungslosen Club eine Zahlungsfrist bis zum Freitag 12 Uhr.
"Der Vorgang schlägt uns selbst auf den Magen. Doch wir konnten nicht anders handeln. Wir haben eine Verantwortung auch den anderen Vereinen gegenüber, die alle ihre Gelder zahlen. Der FSV hat es trotz zahlreicher Aufforderungen nicht getan", so NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs. 2800 Euro schuldet der FSV dem Verband. Sollte Zwickau zahlen, bekommt es übrigens auch wieder die Spielerlaubnis.
Wie Fuchs erklärt, ist dieser Vorgang eine unrühmliche Premiere in der Geschichte des NOFV. Gesperrt wurde in den 19 Jahren seiner Existenz noch kein Verein wegen fehlender Zahlungen an den Verband. "Wir mussten hin und wieder mal ein Verfahren gegen Vereine anstrengen, doch letztendlich wurden die Schulden immer rechtzeitig beglichen. Zwickau bildet da jetzt eine Ausnahme. Daher blieb uns nicht anderes übrig, sonst hätten wir alle anderen Vereine benachteiligt."
Laut NOFV hatte der Verein trotz mehrfacher Aufforderungen Spielabgaben nicht bezahlt sowie Kosten aus sportrechtlichen Verfahren - und Mahngebühren nicht beglichen. Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) hat inzwischen die Einsetzung eines Notvorstandes beim Amtsgericht beantragt. In der vergangenen Woche war zudem Dirk Barsikow als Trainer des Tabellenfünften zurückgetreten. Das Training leiten derzeit die bundesligaerfahrenen Kvicha Shubitidze, Sebastian Helbig und Sven Günther - und das, obwohl sie seit Oktober kein Gehalt bekommen hätten. Der FSV Zwickau soll insgesamt rund 700 000 Euro Schulden haben. Keiner weiß aber, ob dies das Ende der Fahnenstange ist. Die dubiose Finanzwelt des FSV soll derzeit ein Wirtschaftsprüfer in Ordnung bringen. Im schlimmsten Fall könnten seine Analysen die Zahlungsunfähigkeit ergeben - und eine Insolvenz nach sich ziehen. Der gesamte Schuldenberg interessiert den NOFV übrigens nicht. Wenn die Außenstände beim Verband beglichen sind, darf Zwickau wieder spielen, egal wie hoch die Schulden des Vereins sind.
NOFV-Geschäftsführer Fuchs geht davon aus, dass der FSV der Frist nachkommen wird, auch wenn beim Verein keiner mehr sitzt, der als Ansprechpartner fungieren kann. "Der FSV hat eine gültige Postadresse und eine Geschäftsstelle, die besetzt ist. Wie es innerhalb des Vereins aussieht, das ist nicht unsere Aufgabe. Wir jedenfalls hoffen, dass bis Freitag die Zahlungen eingegangenen sind. Wenn nicht, dann bleibt der FSV so lange gesperrt, bis eben jene Zahlungen geleistet worden, so Fuchs. "Bezahlt Zwickau beispielsweise erst im April, dann werden alle Spiele bis dahin abgesetzt. Wie die Spiele gewertet werden, das hat dann das Sportgericht zu entscheiden. Es ist aber davon auszugehen, dass der jeweilige Gegner die Punkte zugesprochen bekommt", erklärt Fuchs. "Es ist ja in dem Sinne ein schuldhaftes Fehlen des FSV."
Thomas Nahrendorf




