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38. Kammlauf: Herzinfarkt - 51-Jähriger stirbt
Wie geht man mit dem Tod eines Sportlers während eines Wettkampfes um? Ein Rezept gibt es nicht. Im Skistadion in Mühlleithen herrschte gestern Nachmittag Stille, einfach nur Stille. Keine redete einen Satz, wenn, dann wurde geflüstert. Betroffenheit, grenzenlose Niedergeschlagenheit. Tränen flossen. Die fröhlich Stimmung des Vormittags - sie war innerhalb von Sekunden verflogen. Nachdem die ersten Athleten über die 50 Kilometer des 38. Internationalen Kammlaufes schon im Ziel waren, kam von der Strecke die Nachricht: Ein Mann war in Höhe des Rammelsbergs zusammengebrochen. Alle Versuche, den 51-jährigen Klingenthaler wiederzubeleben, schlugen fehl. Er starb an einem Herzinfarkt. Es war der erste Todesfall in der Geschichte des Kammlaufes, die 1973 begann. Den Wettkampf abzubrechen, das wäre zu spät gewesen. Wie gesagt, ein Großteil der Sportler war schon im Ziel.
Dabei hatte alles noch so harmonisch, noch so begeisternd angefangenen. Fast 1300 Skilangläufer aus Deutschland, Holland und Tschechien hatten sich an beiden Tagen in die Startliste eingetragen. Samstag erlebten die Zuschauer und Athleten bei herrlichstem Winterwetter ein Rennen, das sie wohl so schnell nicht vergessen werden. Wann gewinnt schon mal ein Olympiasieger den Kammlauf? Michael Rösch siegte 2006 in Turin in der Biathlon-Staffel und ließ sich auch beim Kammlauf über die 25 Kilometer in der freien Technik in 1:04:14,3 Stunde nicht die Butter vom Brot nehmen. Eine starke Zeit. Die eigentliche Überraschung aber kam erst hinter dem Sieger ins Ziel. Tim Schröder (VSC Klingenthal) konnte beinahe über die gesamte Distanz mit Rösch Schritt halten, musste den haushohen Favoriten erst wenige Kilometer vor dem Ziel ziehen lassen. Letztlich fehlten dem 19-jährigen Klingenthaler nur sieben Sekunden zum Sieg. Rang drei belegte Vorjahressieger Tobias Rath aus Dresden mit deutlichem Rückstand. Das Damenrennen entschied die 21-jährige Lisa Voigt aus Oberhof für sich - auch sie ist Biathletin. Mit zwei Minuten Vorsprung distanzierte sie Franziska Schneider und Stefanie Felgenhauer. Beste Klingenthalerin wurde Romy Langer auf Rang fünf.
Und auch der Sonntag ging fantastisch los. Der traditionellen Kammlauf über die 50 Kilometer im klassischen Stil lockt seit nunmehr 37 Jahren die Athleten nach Klingenthal und damit ins Skistadion nach Mühlleithen. Beinahe 800 Läufer wurden über 25 und 50 Kilometer losgeschickt. Die Spur war fest und schnell, das Wetter zu Beginn etwas regnerisch, aber im Verlauf des Rennens wurde es sonnig. Zunächst wurde die Kammlaufsiegerin 2010 gesucht, denn die wird über 25 Kilometer ermittelt. Lisa Voigt ging - für eine Biathletin durchaus ungewöhnlich - auch im Klassischen an den Start und ließ ihre Kontrahentinnen förmlich stehen. In einer Zeit 1:42,14,1 kam sie ins Ziel. Eine ordentliche Zeit. Die junge Thüringerin verwies Silke Escher vom SC Norweger Annaberg und Katrin Müller vom SDV Grün-Weiß Pirna auf die Plätze.
Dann wurde auf die Herren gewartet. Der Vorjahressieger Alexander Heun aus Gersfeld war wieder mit am Start. Aber auch Tim Schröder vom VSC hatte sich wieder aufgemacht. Verrückt: 75 Kilometer an einem Wochenende Wettkampf. Das nötigt Respekt ab. Auch Jens Neuber aus Annaberg wurde im Vorfeld zu den Favoriten gezählt. Aber gerade Olympia hat gezeigt, mit Favoritenbürden zu leben ist nicht einfach. Auch wenn beim Kammlauf der Druck wohl um 95 Prozent kleiner ist. Tobias Rath und Christian Otto vom Salomo-Racing-Team gehörten zu den Sieganwärtern. Aus Carlsfeld kam 12,5 Kilometer vor Schluss die Kunde, Heun führt vor Schröder und Neuber. Diese Führung ließ sich Heun nicht mehr nehmen. In 2:24:46 Stunden verteidigte er seinen Sieg aus dem Vorjahr. Damals war er fünf Minuten langsamer gewesen. Also auch ein Fingerzeig, wie toll die Strecke in Schuss war. Neuber fuhr auf den letzten Kilometern noch an Schröder vorbei und holte sich Rang zwei. Für Schröder bleibt nach dem Silberplatz am Samstag diesmal Bronze.
Der 50er von Klingenthal nach Johanngeorgenstadt und zurück bietet nach dem Zieleinlauf immer noch Platz für Sieger-Interviews. Doch die wollte am gestrigen Nachmittag keiner geben und auch keiner führen. Zu geschockt war der ganze Läufer-Pulk von der Todesnachricht ihres Klingenthaler Mitstreiters. "Im Normalfall würde ich sagen, es war ein super Lauf und wieder eine tolle Organisation. Aber jetzt bin ich einfach nur geschockt und kann gar nicht begreifen, was passiert ist. Das ist einfach nur tragisch", kam es Alexander Heun über die Lippen. So wie er fühlten alle anderen Starter. Die bedrückende Stimmung wich nicht mehr aus dem Skistadion.
Thomas Nahrendorf
2010-03-01




Kommentar von eine Kammlaufteilnehmerin am 03.03.2010; 23:02:26 Uhr
Kommentar zu 38. Kammlauf: Herzinfarkt - 51-Jähriger stirbt
Ja-Betroffenheit und Schock-das sind wohl die richtigen Worte....Auch ich musste kurz vor dem ziel an thomas P. vorbei!Ich kann das seit nunmehr 3 Tagen nicht vergessen und es geht mir sehr sehr nahe.Ich war heute nochmal an der stelle -alles so unscheinbar und ruhig.Mein Mitgefühl gilt den angehörigen und für Ihn-er starb bei dem ,was er am liebsten tat.Das ist ein einziger,wenn auch ganz kleiner Trost...